Wellness bedeutet sich rundum wohl zu fühlen

Wellness - Das Lebensgefuehl des 21 JahrhundertsNachdem in den 1980er Jahren Fitness, also Sportlichkeit, als erstrebenswerter Zustand des menschlichen Körpers propagiert wurde, ging der Trend etwas später zur Wellness, einem wesentlich weiter gefassten Begriff des menschlichen Wohlbefindens. Während man bei Fitness eher an muskelbepackte Bodybuilder oder zähe, sehnige Zehnkämpfer mit einem Hauch von Askese denkt, ist Wellness viel eher etwas für ganz gewöhnliche Menschen. Wellness entsteht nicht nur ohne das tonnenweise Bewegen von Eisen in Bodybuilder-Folterkammern, ohne endlose Waldläufe und karge Diäten, sondern umfasst weit mehr als einen durchtrainierten Körper. Wellness hat weniger mit dem Erfüllen von sportlichen Pflichten als vielmehr mit Lebensfreude, Spaß an Bewegung und Gesundheit und mit Dingen zu tun, die körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden einschließlich der Gesundheit auf angenehme Art und Weise steigern.

Geschichtliches zu Wellness

Wellnesss ist keine Erfindung der späten 1980er oder 1990er Jahre, sondern bereits wesentlich älter. Im Altertum wusste man bereits, dass ein gesunder Körper und ein gesunder Geist zusammengehören. Die antiken Sportler achteten nicht nur auf ihre Leistungsfähigkeit und auf die Schönheit ihrer Körper, sondern auch auf Bildung. Es kommt nicht von ungefähr, dass das Gymnasium, unter dem wir heute eine höhere Schule verstehen, ursprünglich eine Sportstätte war. Umgekehrt zeigen uns Abbildungen und Skulpturen von großen antiken Wissenschaftlern, dass diese im allgemeinen alles andere als verhutzelte Stubengelehrte, sondern sympathisch wirkende, gutaussehende, kräftige und wohl gestaltete Leute waren.

Wenn es auch das Wort Wellness im alten Griechenland noch nicht gab kann man das überlieferte Ideal der antiken Lebenseinstellung durchaus mit unserer heutigen Vorstellung davon vergleichen. Es ist auch durchaus denkbar, dass die im ganzheitlichen Sinne gesunde Lebensführung der Griechen ein wichtiger Grund für ihre hohen kulturellen Leistungen war. Wenn man bedenkt, dass Xenophon vor über zweitausend Jahren in seiner auch heute noch viel beachteten Reitlehre das Pferd bereits als Partner – damit wohl auch als fühlendes Wesen – sieht und Aristarch vor Samos weit mehr als ein Jahrtausend vor Kopernikus und Galileo die Sonne in den Mittelpunkt unseres Planetensystems rückte, wird klar, dass hier schon vieles gedacht wurde, was wir auch heute wieder als gut und richtig begreifen.

  Ganzheitliches sich wohl fühlen in der Antike 

Interessanterweise schätzten die alten Griechen bereits Dinge, die wir auch heute noch als wichtige Bestandteile von Wellness sehen: Bäder und Massagen standen hoch ihm Kurs und man kannte den Wert der Entspannung, liebte es, die Seele baumeln zu lassen. Auch die Ernährung der Hellenen war – ob man das damals wusste oder nicht – gesund im Sinne der heutigen Ernährungslehre. Viele moderne gesunde Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel aus anderen Teilen der Welt, wie etwa Tomaten oder Paprika kannte man zwar noch nicht, aber auch viele bodenständige Gemüsesorten des Mittelmeerraumes, die es schon damals gab, gelten heute noch als äußerst gesund.

olive

Fisch und Meeresfrüchte aus der Ägäis sind, wie man heute weiß, besonders wertvolle Nahrungsmittel. Vor allem spielte aber das Olivenöl schon damals eine große Rolle in der Küche, aber auch bei Kosmetik und Heilkunst. Die Heilkunst der alten Griechen gleicht, ähnlich wie die fernöstliche Medizin, viel eher unserer heutigen Vorstellung von Naturheilkunde und sanfter Medizin als dem geradezu industriellen Betrieb des heutigen konventionellen Gesundheitswesens, das den Menschen als Mittelpunkt seines Bemühens vor lauter Apparaten und Wissenschaft oft genug vollständig zu vergessen scheint.

Da die Römer viel von der Kultur des antiken Griechenlands übernahmen, gab es bei ihnen ebenfalls viele der Dinge, die wir heute noch ohne weiteres unter dem breiten Begriff der Wellness einordnen dürfen. Auch für die Römer war ja das Bad ein wichtiger Mittelpunkt ihres sozialen Lebens und heute wissen wir wieder: Wo man sich entspannt und man selbst sein kann, entstehen nicht zuletzt gute Gespräche, zwischenmenschliche Kontakte und damit wichtige Dinge, die uns im Alltag stärken und fit für das Leben machen. Eine Weile mögen sich Teile der „Antiken Wellness“ noch in der Kultur der mittelalterlichen Badehäuser gehalten haben, denn hier ging es ja ebenfalls nicht nur um Reinlichkeit, sondern im Wesentlichen um Entspannung, Geselligkeit, Genuss und Spaß. Wohl durch die Leibfeindlichkeit des Mittelalters geriet die antike Lebenskunst dann leider weitgehend in Vergessenheit – zumindest, soweit man das der Geschichtsschreibung entnehmen kann.
 

Moderne Wellness

Das Wort „Wellness“ findet sich in der Literatur zum ersten Male in einer Monografie von Sir A. Johnson, der es „wealnesse“ schreibt und wohl das meint, was auch das Oxford English Dictionary als Übersetzung nennt, nämlich„gute Gesundheit“. Auch die moderne Form von Wellness ist wesentlich älter, als mancher vielleicht denkt: Schon in den 1950er Jahren entwickeln der amerikanische Arzt Kenneth H. Cooper, den man auch als „The Father of Aerobics“) kennt, der Sozialmediziner Halbert Dunn und andere Leute ein neues Konzept ganzheitlicher Gesundheit. Sie nannten es „Wellness“, ein Wort, dass durch die Zusammenziehung der Worte „Well being“ (sich wohlfühlen, es geht einem gut) und Fitness – oder auch Happiness – gebildet wird. Aus den Gedanken dieser Leute entstand dann das, was wir heute als Wellness-Bewegung kennen.



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