Der Sinn meiner"neuen" -selbständigen Existenz
Trivial betrachtet ist jeglicher Sinn der Existenzgründung, im Laufe der Selbständigkeit mehr Geld zu haben als ohne die Existenzgründung. Daraus leitet sich mathematisch einfach die Konsequenz ab, möglichst viele Einnahmen bei möglichst wenig Ausgaben zu haben. Diese Zielsetzung – so einfach sie klingen mag – ist insolvenzvorbeugend, konsequent, strikt und zeitlich mit der größten Intensität zu verfolgen.
Die Ausgabenreduktion
Die Ausgabenreduktion ist aufzuteilen in private Ausgaben und betriebliche Ausgaben. Die privaten Ausgaben sind auf deren Sinnhaftigkeit zu überprüfen, insbesondere bei automatisch abgebuchten Beträgen wie z.B. Versicherungen sind diese zu durchleuchten und gegebenenfalls beitragsfrei zu stellen. Auch andere Privatausgaben sind auf das Minimum in der Existenzgründungsphase zu beschränken, um möglichst viele liquide Mittel für den Betriebsstart zu haben bzw. der Existenz keine liquiden Mittel zu entziehen.
Es ist z.B. nicht notwendig, in der ersten Phase der Existenz unmittelbar an die Altersvorsorge zu denken, wie sie dies vielleicht bisher aus der Arbeitnehmerstellung her gewohnt waren, wo ihnen automatisch Rentenversicherungsbeiträge abgezogen worden sind. Die Altersvorsorge kann immer noch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Auch ihre Selbständigkeit kann eine gewisse Art der Altersvorsorge darstellen.
Die wichtigsten Ausgabearten, die meistens auch zum Scheitern einer Existenz führen können, sind in der Reihung ihrer Gewichtung folgende:
1. Privates Wohnen: vor allem der Bau eines neuen Hauses führt nicht nur zu meist unterschätzten Anschaffungskosten, vielmehr steigen erfahrungsgemäß auch die laufenden Lebenshaltungskosten direkt proportional mit der gestiegenen Wohnfläche.
2. Überteuerte Urlaubsreisen
3. Fahrzeugkosten: das Auto verursacht laufende Kosten pro Jahr, deren man sich nicht bewusst ist. Auch wenn diese zumindest teilweise als Betriebsausgaben abzugsfähig sind, erstattet ihnen die Einkommensteuer letztendlich nur in Höhe des Spitzensteuersatzes diese Ausgaben. Wenn sie also im Spitzensteuersatz liegen, haben sie immer noch 55 % einer unnötigen Betriebsausgabe aus ihrem eigenen Geldbeutel zu finanzieren. Nur maximal 45 % schießt ihnen der Staat aufgrund der Abzugsfähigkeit der Betriebsausgaben von der Steuer zu. Beim Kauf eines Autos ist dies auch nicht im Erstjahr, sondern nur über 6 Jahre verteilt (6 Jahre Abschreibung bei Neufahrzeugen) möglich. Also schießt ihnen der Staat beim Kauf eines Autos maximal 8 % des Kaufpreises im Erstjahr an Steuerersparnis zu!
4. Die Betriebsausgaben: Die meisten Betriebsausgaben allerdings halten sich im Rahmen, da sie auch neue Ausgabenarten sind und vom Existenzgründer direkt beeinflusst und bezahlt werden. Die Gefahr besteht bei den Betriebsausgaben, die in die falsche Richtung gehen und nicht zur Einnahmeerhöhung führen. Fehlinvestitionen und Fehlausgabenrichtungen müssen teuer bezahlt werden. Zum Beispiel sind bei Gaststättenneueröffnungen oft Personalkostenbestandteile anzutreffen, die zum Einen nicht benötigt werden und zum anderen mit fixen Bruttofestgehältern viel zu teuer ausgestattet sind. Steuer- und sozialversicherungsfreie Gehaltsbestandteile fehlen meist komplett.
Die Optimierung der Betriebseinnahmen..,
was die ureigenste Aufgabe des Unternehmers sein sollte, muss an vorderster Front stehen und diese Aufgabe kann letztendlich nicht extern z.B. durch Beratung zugekauft werden. Der Unternehmer ist hierfür alleine verantwortlich. Es muss die Kernkompetenz des Unternehmers sein und bleiben, der Hauptschauplatz seiner wesentlichen Aktivitäten. Eine weitere Einnahmeart könnte die Zuführung liquider Mittel sein. Dies kann Fremdkapital sein, Verwandtendarlehen oder Eigenkapital. Auch diese liquide Zuführung führt letztendlich zu einem Polster, das die Anlaufverluste der Existenzgründungsphase abdecken kann bzw. wenn nicht vorhanden, führt dies zu einem negativen Kontokorrentsockel der mit teilweise über 10% Verzinsung zur weiteren negativen Liquidität des Existenzgründers beiträgt.
Das Ziel der Existenzgründungsphase, liquide Mittel zu sichern, kann nur durch die Optimierung der Einnahmen und Ausgaben gesichert werden. Entscheidender als die Ausgabenoptimierung ist regelmäßig die Einnahmenoptimierung. Meist hat die Einnahmensteigerung regelmäßig eine direkte Liquiditäts- und Gewinnauswirkung. Sie haben jedoch gemerkt, dass es nicht so sehr auf ihren Gewinn am Jahresende ankommt, als vielmehr darauf, ihre Liquidität zu jedem Zeitpunkt ihrer Selbständigkeit zu sichern. Langfristig mündet ein hoher Gewinn meist in gute Liquidität Gerade zum Geschäftsstart ist jedoch vielmehr darauf zu achten, dass der Mittelzufluss – woher auch immer – groß ist und der Mittelabfluss gering bleibt. So einfach vermeiden sie das Scheitern ihrer Existenz!
Beratung: Dr. Norbert Stölzel
RSS















